Grippeähnliche Symptome in den Wechseljahren: Hitzewallungen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen & co.

Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, ein Frösteln abgewechselt von Hitzewallungen und eine allgemeine Abgeschlagenheit. Irgendwie tut alles weh, die Temperaturregulation im Körper scheint aus dem Lot und jede Bewegung ist anstrengend. Genauso, wie sich eine Grippe ankündigt, können sich auch die Wechseljahre anfühlen. Der sinkende Östrogenspiegel beschert Frauen nicht nur grippeähnliche Symptome in den Wechseljahren, sondern das fehlende Östrogen führt tendenziell auch zu einem gesteigerten Schmerzempfinden der Frau.

Doch sind das alles bloße symptomatische Begleiterscheinungen eines Östrogenmangels oder sind Frauen in den Wechseljahren doch auch anfälliger für Erkältungen? Lesen Sie weiter und finden Sie alle Antworten.

Wechseljahre Symptome: Woher kommen sie?

Während der Wechseljahre (auch Klimakterium genannt) nimmt die Konzentration gewisser Sexualhormone, insbesondere des Östrogens, stetig ab. Bei etwa einem Drittel der Frauen geht das fast unbemerkt vorüber. Sie merken lediglich, dass ihre Periode unregelmäßig wird, die Blutungen vielleicht erst stärker werden, dann allmählich nachlassen, bis sie sich ganz einstellen.

Bei der Mehrheit der Frauen hinterlässt der Wechsel jedoch mehr oder weniger starke Symptome. Von Hitzewallungen bis zu depressiven Verstimmungen; die Veränderung des Hormonspiegels hat viele Gesichter:

  • Trockene Haut und Haare
  • Scheidentrockenheit
  • Gewichtszunahme
  • Schlafstörungen
  • Lustlosigkeit
  • Nervosität und Reizbarkeit
  • Angst und depressive Verstimmungen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen: Sehr häufig sind es Musikerinnen (Pianistin, Harfenistin, etc.), die als erstes Beschwerden und Einschränkungen in den kleinen Fingergelenken bemerken.
  • Veränderung der Stimmqualität: Sängerinnen bemerken Veränderungen des Stimmumfangs und der Klangfarbe aufgrund von trockenen Stimmbändern. In einem weiteren Artikel erzählen wir eingehender über den Einfluss der Hormone auf die weibliche Stimme.

Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen in den Wechseljahren

In den Wechseljahren ist es morgens oft am unangenehmsten. Nacken, Schultern – alles fühlt sich steif an: Muskelschmerzen am ganzen Körper. Es ist fast so, als ob man eine Grippe ausbrüte. Aber obwohl die Symptome darauf hinweisen, liegt keine Krankheit vor. Und auch keine anderen handfesten Gründe wie zum Beispiel eine schlechte Nachtruhe oder übermäßige körperliche Anstrengung sind auszumachen. Trotzdem fühlt man sich wie gerädert.

Schuld daran ist hauptsächlich das sinkende Östrogen. Denn es ist, neben seiner Funktion als Sexualhormon, an zahlreichen anderen Vorgängen im Körper beteiligt.

Muskelschmerzen Wechseljahre: Woher kommen sie?

Östrogen spielt bei der Aufnahme von Flüssigkeit in das Gewebe und bei der Durchblutung des Körpers eine wichtige Rolle. Sinkt der Östrogenspiegel ab, sind die Muskeln weniger elastisch, reagieren stärker auf Belastungen und können verhärten.

Hat man in den Wechseljahren auch Gliederschmerzen?

Gelenkschmerzen sind ein sehr weit verbreitetes Symptom in den Wechseljahren. Schmerzen in den Fingern, Schultern oder Knien können sehr belastend sein und im Alltag mitunter auch einschränken. Ein sinkender Östrogenspiegel kann ähnliche Symptome wie Rheuma, Arthrose oder Gicht hervorrufen. Doch woher kommt das? Östrogene helfen dem Körper dabei, Flüssigkeit zu speichern und sind demnach auch beteiligt an der Versorgung von zum Beispiel der Gelenkinnenhäute. Bei einem Mangel des Sexualhormones werden die Gelenke weniger gut versorgt und dadurch angreifbarer. Der Knorpel kann sich schneller abnutzen und die Gelenke sind anfälliger für Entzündungen. Zumal Östrogen auch eine Rolle im Immunsystem spielen.

Östrogene wirken schmerzlindernd

Zu den Beschwerden, die ein sinkender Östrogenspiegel verursacht, kommt auch, dass besagtes Hormon mitverantwortlich für die Freisetzung von Endorphinen ist. Das sind körpereigene Botenstoffe, die schmerzlindernd wirken. Bei sinkendem Östrogenspiegel und einer hormonellen Umstellung kann es also dazu kommen, dass Schmerzen stärker wahrgenommen werden. 

Ist man in den Wechseljahren öfter krank?

In den Wechseljahren nimmt das Krankheitsgefühl zu, doch ist man in den Wechseljahren auch öfter krank? Die Antwort ist: ja. Das kann durchaus passieren und hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Trockene Schleimhäute: Die Schleimhäute sind trockener und somit gelangen Keime und Bakterien leichter in den Körper.
  • Hitzewallungen & Schweißausbrüche: Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche kühlen den Körper aus und machen anfälliger auf einen Infekt.
  • Stress & Schlafstörungen: Stress und damit verbundene Schlafstörungen belasten das Immunsystem, es kann den Körper weniger gut vor Erregern schützen.

Grippeähnliche Symptome in den Wechseljahren: Das können Sie tun

  • Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen mit Ernährung lindern: Setzen Sie auf eine ausgewogene Ernährung und auf Lebensmittel, die Phytoöstrogene enthalten. Leinsamen, Sesam oder Sojabohnen können aufgrund ihrer Eigenschaften zum Beispiel Östrogenrezeptoren im Körper binden. Das Gewürz Kurkuma wirkt antientzündlich, Spinat, Mangold und Feldsalat enthält schmerzlindernde Wirkstoffe.
  • Gelenkschmerzen im Knie oder der Hüfte können mit Akkupunktur, Krankengymnastik oder Fischölkapseln gelindert werden.
  • Gelenkschmerzen in den Fingern können durch eine leichte Massage mit Pfefferminz- oder Rosmarinöl gelindert werden. Pfefferminz kühlt bei geschwollenen Gelenken und Rosmarin regt die Durchblutung bei einem steifen Gelenk an.
  • Saunabesuch gegen Muskelschmerzen: Die Hitze während eines Saunabesuches regt die Durchblutung im ganzen Körper an, was sich positiv auf versteifte und schmerzende Muskeln auswirkt. Sollte Sie unter vermehrten Hitzewallungen leiden, könnte ein Saunabesuch jedoch mehr belasten als guttun. In diesem Fall kann eine Wärmeflasche oder ein Körnerkissen wohltuend auf Ihre verspannten Muskeln wirken. 
  • Bewegung für Muskeln und Gelenke: Gelenkschmerzen und Muskelschmerzen in den Wechseljahren können durch ausreichend körperliche Bewegung eingedämmt werden. Durch Bewegung werden Muskeln und Gelenke besser durchblutet und gestärkt und bleiben geschmeidig. Unternehmen Sie gelenkschonende Aktivitäten wie Yoga, Schwimmen, Radfahren oder ausgedehnte Spaziergänge und Wanderungen. Bewegung regt Stoffwechsel und Durchblutung an, was Muskeln, Knorpeln, Bindegewebe und Knochen mit ausreichend Nährstoffen versorgt.
  • Pflegen Sie Ihre trockenen Schleimhäute: Achten Sie darauf, dass die Raumluft möglichst gut befeuchtet ist. Schon eine Schüssel Wasser auf der Heizung kann die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Trinken Sie möglichst viel Wasser oder ungesüßten Tee. Wir empfehlen 2L – 3L am Tag. Zusätzlich können Sie mit Nasenspülungen mit Kochsalzlösung Ihre trockenen Schleimhäute reinigen und befeuchten.
  • Ernährung zur Unterstützung des Immunsystems: Sollten Sie sehr anfällig auf Erkältungen sein, empfehlen wir Ihnen auf eine ausreichende Versorgung mit Zink zu achten. Zink unterstützt das Immunsystem und sorgt für intakte Schleimhäute. Das Spurenelement ist zum Beispiel in Vollkornprodukten, Haferflocken, Hülsenfrüchten, Rindfleisch oder Hartkäse enthalten. Es ist zudem belegt, dass Vitamin D für ein funktionierendes Immunsystem unentbehrlich ist. Da der Körper das Vitamin nicht von allein herstellen, sondern nur durch Bestrahlung der Haut mit der Sonne bilden kann, kann es vor allem in sonnenarmen Monaten zu einem Mangel kommen. Vitamin D können Sie zum Beispiel mit fettreichem Fisch wie Lachs oder Makrele zu sich nehmen.
  • Bewegung zur Unterstützung des Immunsystems: Ausreichend Bewegung an der frischen Luft unterstützt das Immunsystem und hilft dabei, Stress abzubauen.

Hormonersatztherapie in den Wechseljahren

Bei starken Beschwerden, welche nicht durch die genannten Maßnahmen gelindert werden können und Ihre Lebensqualität beeinträchtigen, ist eine Hormonersatztherapie eine sehr wirksame Therapieoption. Diese muss jedoch in einem individuellen Beratungsgespräch ausgearbeitet werden.

Gerne beraten wir Sie zu diesem Thema ausführlicher bei einem persönlichen Termin in unserer Ordination.

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